Kapitel 5
Wie man die Premium Tools wirklich nutzt
Im vorigen Kapitel ging es darum, wie man überhaupt auf spannende Aktienideen kommt, sei es über Medien, Screener oder ganz schlicht über den eigenen Alltag und Produkte, die man liebt. An irgendeinem Punkt landet man aber immer bei derselben Frage: Wie prüft man nun systematisch, ob aus einer netten Idee wirklich eine solide Fair Value Aktie werden kann. Genau an dieser Stelle beginnen die Premium Tools ihren eigentlichen Charme zu entfalten. Sie sind im Kern nichts anderes als eine Abkürzung durch all die mühsame Detailarbeit, die man sonst mit vielen Webseiten, Geschäftsberichten und Excel Dateien erledigen müsste.
Der Einstieg in diesen Werkzeugkasten ist das Premium Dashboard in der Free Trial Version oder mit unbegrenztem Zugriff. Man kann es sich wie die Kommandozentrale vorstellen. Dort sieht man auf einen Blick die eigene Watchlist, neue Fair Value Aktien, eine Vorschau des Screeners und die aktuellsten Analysen. Die Watchlist ist dabei so etwas wie die persönliche Merkliste. Aus dem Screener oder von den Aktienunterseiten aus lassen sich interessante Titel mit einem Klick dorthin übernehmen. In dieser Liste verfolgt man dann im Zeitablauf, wie sich Kurs und Fair Value zueinander verhalten. Der Fair Value wird laufend aktualisiert, man sieht, ob der Abstand größer oder kleiner wird, und erkennt, welche Titel langsam aus der Unterbewertung herauslaufen oder gerade erst in eine attraktive Zone hineinfallen. Unter der Watchlist befindet sich der Portfolio Manager, der nichts anderes tut, als immer wieder freundlich daran zu erinnern, dass eine Handvoll Lieblingsaktien noch kein stabiles Depot darstellt. Er prüft die Verteilung nach Regionen, Branchen und Größenklassen und färbt die entsprechenden Zeilen erst dann grün, wenn eine sinnvolle Streuung erreicht ist. Ziel ist ein Bild, bei dem möglichst alles grün ist und der Diversifikationsbalken voll. Über das Profil kann man zusätzlich Alarme einstellen, die per E Mail informieren, wenn sich in der Watchlist etwas Entscheidendes verändert.
Ein zweites Herzstück ist der Aktien Screener. Auf dem Dashboard gibt es eine kleine Vorschau, die bereits einige Kandidaten zeigt. Mit einem Klick öffnet sich der große Screener, in dem sich tausende Aktien nach Fair Value und Kennzahlen filtern lassen. Die Grundeinstellungen sind so gewählt, dass eher solide Kandidaten im Vordergrund stehen. Man kann die Region wählen, einstellen, wie viele Aktien angezeigt werden sollen, nach Fair Value Abstand sortieren und zusätzlich nach Kennzahlen wie Gewinnwachstum, Verschuldung, Margen oder Dividenden filtern. Zusätzlich stehen vorgefertigte Strategien von Börsenlegenden und bekannten Strategien zur Verfügung. Mit einigen Reglern lassen sich die extrem spekulativen Fälle ausblenden, so dass am Ende eine überschaubare Liste übrig bleibt, aus der sich die eigentliche Arbeit ergibt: Die genauere Analyse auf der jeweiligen Aktienunterseite.
Diese Aktienunterseiten sind gewissermaßen die Dossiers der einzelnen Unternehmen. Dort stehen die automatisch berechneten Fair Values, die wichtigsten Kennzahlen, Diagramme zu Umsatz und Gewinn, ein Branchenvergleich, Hinweise zur Qualität und zur relativen Stärke. Aus dieser Kombination entsteht sehr schnell ein recht klares Bild, ob es sich um ein robust wachsendes Unternehmen mit nachvollziehbaren Zahlen handelt oder um einen Kandidaten, bei dem zwar viel Fantasie im Kurs steckt, die Fundamentaldaten aber von Jahr zu Jahr Achterbahn fahren.
Im Mittelpunkt steht dabei der berechnete Fair Value. Dieser Wert wird nicht aus einer einzigen Formel abgeleitet, sondern aus mehreren Ansätzen wie dort ersichtlich. Neben einem fairen KGV, das aus einem Qualitätstest entsteht, fließen auch Cashflow Modelle und andere Bewertungsbausteine ein. Je mehr dieser Kennzahlen zuverlässig verfügbar sind, desto genauer kann der automatische Fair Value eingeschätzt werden. Zusätzlich wird der Fair Value je nach Qualität nach oben oder unten angepasst. Unternehmen, die bei Qualität und Stabilität sehr gut abschneiden, bekommen einen Aufschlag, schwache Kandidaten eher einen Abschlag. In der Praxis heißt das: Man sollte hauptsächlich auf Aktien achten die viele und langjährige Kennzahlen darstellen und extreme Ausreißer, bei denen der Fair Value angeblich mehrere hundert Prozent über dem Kurs liegt, verdienen einen zweiten Blick, ob nicht doch Ausreißer oder Sondereffekte in den Kennzahlen stecken. Homogenes Umsatzwachstum begünstigt eine saubere Einschätzung.
Ein sehr hilfreicher Schnelltest auf der Aktienunterseite sind die Diagramme zu Umsatz und Gewinn. Dort sieht man in einer Zeile, wie sich die Umsätze über mehrere Jahre entwickelt haben. Idealerweise steigen die Balken einigermaßen ruhig an, ohne heftige Abstürze oder Zickzack Muster. In so einem Fall kann man mit deutlich mehr Vertrauen davon ausgehen, dass auch zukünftige Schätzungen halbwegs belastbar sind. Wirken die Kurven dagegen wie ein EKG kurz vor dem Herzstillstand, dann signalisieren sie genau das: viel Unruhe, viele Sondereffekte, möglicherweise zyklische oder sehr konjunkturabhängige Geschäftsmodelle. In solchen Fällen sollte man sich nicht davon blenden lassen, wenn der automatische Fair Value hoch aussieht. Der Wert kann dann zwar korrekt berechnet sein, ruht aber auf sehr wackeligen Fundamenten. Für Einsteiger ist es meist sinnvoll, eher die klaren, ruhigen Fälle und große Unternehmen zu bevorzugen und die komplexen Sonderstories und Small Caps nach hinten zu stellen.
Neben diesen Analysen unterstützen weitere Kennzahlen die Einschätzung. Das Kurs Gewinn Verhältnis und das PEG Verhältnis zeigen, wie der aktuelle Kurs im Verhältnis zum Gewinn und zum Wachstum steht. Ein hohes KGV kann in einem schnell wachsenden Unternehmen völlig plausibel sein, in einem stagnierenden Konzern dagegen eher auf Übertreibung hindeuten. Das Kurs Buchwert Verhältnis und das Kurs Umsatz Verhältnis ergänzen dieses Bild. Sie helfen vor allem beim Branchenvergleich. Kapitalintensive Branchen haben naturgemäß andere typische Werte als asset light Geschäftsmodelle. Deshalb ist es sinnvoll, eine Aktie nicht isoliert zu betrachten, sondern immer auch in Relation zu ihren direkten Wettbewerbern in derselben Branche.
Genau für diesen Zweck gibt es den Branchenvergleich auf der Aktienunterseite. Dort wird das Unternehmen Kennzahl für Kennzahl mit dem Durchschnitt der Branche verglichen. Übersteigt eine Kennzahl den Branchenschnitt in positiver Weise, färbt sich das Feld grün, liegt sie deutlich darunter, erscheint es rot. Wer es sich einfach machen will, achtet darauf, dass die wichtigsten Felder eher grün als rot sind. Besonders stark ist dieser Vergleich, wenn er zusammen mit dem Blick auf die Umsatz und Gewinn Diagramme erfolgt. Dann sieht man, ob ein Unternehmen nicht nur isoliert gut aussieht, sondern auch innerhalb seiner Peergroup überzeugt.
Ein weiterer Baustein ist die Betrachtung von Performance und relativer Stärke. Hier geht es weniger darum, wann genau man kauft, sondern darum, keine permanent schwachen Titel im Depot zu sammeln, nur weil sie billig erscheinen. Die relative Stärke vergleicht die Kursentwicklung einer Aktie über verschiedene Zeiträume mit dem Gesamtmarkt. Wenn eine Aktie seit sechs oder zwölf Monaten konsequent schlechter läuft als der Markt, ist Vorsicht angebracht. Die Erfahrung zeigt, dass es selten eine gute Idee ist, in einen dauerhaft fallenden Kurs hineinzukaufen, nur weil der Fair Value theoretisch höher liegt. Besser sind Fälle, in denen der Abstand zum Fair Value attraktiv ist, die relative Stärke aber zumindest nicht katastrophal negativ ausfällt. In der Praxis hilft eine einfache Regel: Besonders angenehm sind Aktien, bei denen der langfristige Trend intakt ist und der Kurs zeitweise unter den inneren Wert zurückfällt, nicht solche, bei denen seit Jahren der Fahrstuhl nur eine Richtung kennt. Hierbei sollte man besonders auf den gleitenden Durchschnitt achten, dass der Kurs darüber liegt und der Durchschnitt steigt.
All diese Einzelinformationen fließen im Fair Value Rating zusammen. Dieser Gesamtscore ist kein magisches Orakel, aber eine verdichtete Zusammenfassung aus Bewertung, Qualität, Stabilität und Kursverhalten. Man erkennt auf einen Blick, ob eine Aktie eher im grünen Bereich liegt oder ob mehrere Warnlampen gleichzeitig aufleuchten. Der Score ersetzt nicht das eigene Denken, er spart nur Zeit. Statt jede Kennzahl einzeln durchzugehen, kann man zuerst einen Blick auf den Score werfen und anschließend gezielt in die Bereiche zoomen, die besonders positiv oder besonders kritisch auffallen.
Neben den Einzeltiteln helfen die Premium Tools auch bei der Einordnung des Gesamtmarktes und der Branchen. Das Markt Analyse Tool fasst typische Bewertungskennzahlen wie KGV, KBV, KUV und Dividendenrendite über große Indizes zusammen und setzt sie in Relation zu ihren historischen Durchschnitten. Einfach gesagt zeigt es an, ob ein Marktsegment eher günstig, fair bepreist oder deutlich überhitzt erscheint. Werte deutlich unter dem Normalbereich deuten auf eine seltene günstige Phase hin, hohe Werte auf eine teure Marktumgebung. Solche Extremphasen kommen seltener vor, als es die Schlagzeilen vermuten lassen, und teure Phasen können lange andauern. Trotzdem ist es hilfreich zu wissen, in welchem Umfeld man sich bewegt, um die eigene Risikobereitschaft anzupassen.
Das Branchen Analyse Tool geht noch eine Stufe tiefer. Es sortiert Branchen nach Kennzahlen wie KGV und KBV und macht sichtbar, welche Sektoren eher günstig und welche eher teuer bewertet sind. In vielen Fällen lohnt es sich, zuerst in jenen Branchen nach Aktien zu suchen, die im unteren Bewertungsdrittel liegen und gleichzeitig geschäftlich nachvollziehbar sind. Komplexe Sektoren wie Banken und bestimmte Rohstoffwerte sind oft schwerer zu beurteilen, wenn man sich nicht wirklich intensiv damit beschäftigt. Für viele Anleger ist es daher sinnvoller, solche Bereiche entweder über breit gestreute ETFs abzudecken oder sie ganz zu meiden, statt sich in eine Scheingenauigkeit hineinzuanalysieren.
Auf dem Dashboard finden sich außerdem Bereiche für neue Fair Value Aktien und Analysen. Dort tauchen Titel auf, die neu in die Datenbank aufgenommen wurden oder bei denen sich der Abstand zwischen Kurs und innerem Wert gerade deutlich verändert hat. Hinzu kommen aktuelle Analysen, in denen bestimmte Aktien detailliert durchleuchtet wurden. Diese Hinweise sind keine Garantie für zukünftige Gewinne, aber sie sind ein effizienter Filter, um sich schnell einen Überblick zu verschaffen, wo sich gerade etwas tut.
Schließlich gibt es noch die einfache Einzelaktiensuche. Wer bereits einen konkreten Titel im Kopf hat, kann über die Suchfunktion prüfen, ob die gewünschte Aktie in der Datenbank vorhanden ist und welche Fair Values und Kennzahlen vorliegen. Das ist besonders dann sinnvoll, wenn man vor einer Premium Registrierung sicherstellen möchte, dass bestimmte Wunschaktien tatsächlich abgedeckt sind. In der Praxis wird man feststellen, dass ein Großteil der weltweit relevanten Titel bereits enthalten ist, aber der Test gibt zusätzliche Sicherheit.
Damit ist das Instrumentarium im Großen und Ganzen komplett. Vom Dashboard über Watchlist und Portfolio Manager, vom Screener über die Aktienunterseiten bis hin zu Markt und Branchenanalyse liegt alles bereit, um aus spontanen Ideen einen strukturierten Prozess zu machen.