Was eine Aktie ist und wie du sie kaufst, ohne zu viel zu zahlen
Vom ersten Anteil bis zur ersten Order: was eine Aktie ist, was sie kostet und was sie historisch gebracht hat.
Das lernst du
- Was du mit einer Aktie wirklich besitzt
- Warum Kosten über 30 Jahre ein Drittel deines Vermögens fressen können
- Wie Broker, Handelsplatz und Orderart zusammenspielen
- Was Aktien historisch gebracht haben und warum Streuung zählt
Transkript
Hallo, ich bin Peter. In Deutschland besitzen inzwischen 14,1 Millionen Menschen Aktien, Fonds oder ETFs, so viele wie nie. Aber nur rund 4,9 Millionen davon halten überhaupt eine einzelne Aktie. Die meisten kaufen also über Fonds. In dieser Lektion schauen wir, was eine Aktie eigentlich ist, warum sich der direkte Weg lohnen kann und was dabei schiefgehen kann.
Eine Aktie ist ein Stück eines Unternehmens. Die Idee ist alt: 1602 gab die Niederländische Ostindien-Kompanie in Amsterdam die ersten handelbaren Anteile aus. Heute gilt dasselbe Prinzip. Kaufst du eine Apple-Aktie, gehört dir ein winziger Teil von Apple. Du bist am Gewinn beteiligt, oft über eine Dividende, und du darfst auf der Hauptversammlung abstimmen. Der Kurs ist dabei nur der Preis, den jemand heute dafür zahlt. Was das Unternehmen wirklich wert ist, ist eine andere Frage. Genau die beantwortet dieses Tool.
Jetzt zum Geld. Ein aktiver Aktienfonds aus der Bankfiliale kostet oft rund 1,5 Prozent pro Jahr, dazu beim Kauf ein Ausgabeaufschlag von drei bis fünf Prozent. Bei einem Online-Broker zahlst du für eine Aktienorder oft nur einen Euro, laufende Kosten hat die Aktie selbst keine. Klingt nach wenig Unterschied? Rechne mit: 10.000 Euro, 30 Jahre. Bei sieben Prozent im Jahr werden daraus gut 76.000 Euro. Ziehst du jedes Jahr 1,5 Prozent Kosten ab, bleiben knapp 50.000. Über 26.000 Euro weniger, nur durch Gebühren.
Und bringen die teuren Fonds dafür mehr? Meist nicht. Laut der SPIVA-Auswertung von S&P lagen über zehn Jahre bis Juni 2026 rund 94 Prozent der aktiven Aktienfonds in Europa hinter ihrem Vergleichsindex. Wer direkt kauft, spart sich diese Schicht. Er muss dann aber selbst entscheiden, was er kauft, und genug streuen. Dazu gleich mehr.
So läuft ein Kauf ab. Beim Online-Broker eröffnest du ein Depot, das ist dein Schließfach für Wertpapiere. Du gibst eine Order auf, der Broker leitet sie an einen Handelsplatz weiter, etwa Xetra in Frankfurt, die New York Stock Exchange oder einen außerbörslichen Platz wie Tradegate. Dieselbe Apple-Aktie wird an mehreren Plätzen gehandelt, in Frankfurt in Euro, in New York in Dollar. Achte auf zwei Dinge: die Handelszeit, denn außerhalb ist wenig los, und den Spread, den Abstand zwischen Kauf- und Verkaufskurs.
Drei Orderarten solltest du kennen. Die Marktorder wird sofort ausgeführt, aber zum Preis, der gerade gilt. Die Limitorder legt deinen Höchstpreis beim Kauf fest, oder deinen Mindestpreis beim Verkauf. Der Preis ist sicher, die Ausführung nicht. Und die Stop-Order? Viele halten sie für eine Versicherung. Sie wird aber nur zur Marktorder, sobald der Kurs die Marke erreicht. Kommt über Nacht eine schlechte Nachricht und die Aktie öffnet tiefer, verkaufst du nicht bei 47, sondern vielleicht bei 42.
Jetzt die Seite, über die wenige reden. Der Forscher Hendrik Bessembinder hat alle US-Aktien seit 1926 ausgewertet. Ergebnis: Die meisten einzelnen Aktien brachten über ihre Lebenszeit weniger als kurzfristige Staatsanleihen. Den ganzen Gewinn des Marktes erklären die besten vier Prozent. Eine einzelne Aktie kann also auf null fallen, ein breit gestreutes Depot hat das historisch nicht getan. Deshalb gilt: nie alles auf eine Karte.
Und auf lange Sicht? Das Global Investment Returns Yearbook von UBS rechnet bis ins Jahr 1900 zurück. Aktien weltweit brachten seitdem 5,2 Prozent pro Jahr nach Inflation, Anleihen 1,7 und kurzfristige Geldanlagen 0,5 Prozent. Aus 10.000 Euro Kaufkraft würden bei 5,2 Prozent in 30 Jahren rund 46.000. Der Preis dafür sind Jahre wie 2008, als Aktien weltweit rund 40 Prozent verloren. Wer da verkauft, macht den Verlust erst echt.
Kurz gesagt: Direkt kaufen spart Kosten, verlangt aber, dass du weißt, was du kaufst, und gut streust. Dafür gibt es den Fair Value Calculator. Er bewertet täglich über 35.000 Aktien und zeigt dir, ob der Kurs über oder unter dem Wert liegt, den die Zahlen hergeben. In der nächsten Lektion schauen wir, wie aus einem Geschäftsbericht eine Bewertung wird. Wichtig: Das ist keine Anlageberatung.