Wie wir bewerten: viele Modelle, ein Qualitäts-Score und warum Streuung wirkt
Viele Modelle statt einer Meinung, Qualität neben dem Preis und Streuung statt Glück: so entsteht eine Bewertung, der du trauen kannst.
Das lernst du
- Warum 26 Modelle aus acht Familien verlässlicher sind als eines
- Was der vorsichtige, mittlere und gute Fall bedeuten
- Was der Qualitäts-Score misst und warum Qualität sich lohnen kann
- Wie Streuung das Risiko senkt und welches Risiko immer bleibt
Transkript
Hallo, ich bin Peter. Heute schauen wir, wie aus den Zahlen einer Firma eine Bewertung wird. Drei Fragen: Was ist die Aktie wert? Wie gut ist die Firma? Und wie baust du daraus ein Depot, das nicht an einer einzigen Aktie hängt? Los geht's.
Jedes Bewertungsmodell hat einen blinden Fleck. Ein Modell, das auf Dividenden schaut, versteht keine Firma, die nichts ausschüttet. Eines, das auf Vermögen schaut, versteht keine Softwarefirma. Schon 1969 zeigten die Forscher Bates und Granger: Mischt man mehrere Prognosen, liegt das Ergebnis im Schnitt näher an der Wahrheit als die einzelnen. Ein Überblick über 50 Jahre Forschung kam 2022 zum gleichen Schluss.
Darum rechnet der Rechner für jede Aktie 26 Modelle aus acht Familien. Manche schauen auf das Geld, das die Firma künftig verdient. Andere vergleichen mit ähnlichen Firmen der gleichen Branche. Wieder andere schauen auf Dividenden oder auf das, was der Firma gehört. Passt ein Modell nicht zur Firma, etwa ein Dividendenmodell bei einer Firma ohne Dividende, bleibt es außen vor. Lieber weniger Stimmen als eine falsche.
Und jedes Modell rechnet nicht einen Wert, sondern drei: einen vorsichtigen Fall, wenn es schlechter läuft, einen mittleren und einen guten Fall. Erst die Mischung über alle passenden Modelle ergibt den Fair Value. Das Wichtige daran: Die Spanne ist Teil der Antwort. Liegen die Fälle eng beieinander, sind sich die Modelle einig. Liegen sie weit auseinander, ist die Firma schwer zu bewerten. Und wenn die Daten nicht reichen, zeigt der Rechner lieber gar keinen Fair Value.
Woher wissen wir, ob das funktioniert? Jede Zutat wird an der Geschichte geprüft, bevor sie in den Rechner darf. Unsere Rückrechnung reicht 34 Jahre zurück und rechnet nur mit den Zahlen, die damals bekannt waren. Was dabei herauskam und was nicht, zeigen wir dir offen.
Der zweite Blick gilt der Firma selbst. Der Qualitäts-Score von 0 bis 100 fasst 37 Faktoren aus zehn Bereichen zusammen, etwa wie viel die Firma verdient, wie stabil das über die Jahre ist und wie solide sie finanziert ist. Warum das zählt? Forscher von AQR haben Aktien aus den USA und 24 weiteren Ländern untersucht. Ergebnis: Qualität steckt nur zum Teil im Kurs. Gute Firmen waren im Verhältnis zu ihrem Risiko oft die bessere Anlage. Ein günstiger Preis allein reicht also nicht. Erst Wert und Qualität zusammen ergeben ein Bild.
Jetzt zum Depot. 1952 schrieb ein junger Ökonom namens Harry Markowitz einen Aufsatz, für den er später den Nobelpreis bekam. Seine Idee: Es zählt nicht nur, wie riskant eine Aktie ist, sondern wie sie sich zusammen mit den anderen bewegt. Ein Beispiel: Jede Aktie schwankt um 30 Prozent im Jahr, und sie laufen nur locker zusammen. Mit zehn solchen Aktien fällt die Schwankung des Depots auf rund 18 Prozent. Mit 30 auf rund 17. Aber selbst mit tausend bleibt rund 16 Prozent. Dieser Rest ist das Marktrisiko. Das kannst du nicht wegstreuen.
Wie viele Aktien braucht man dafür? Eine Studie von 1968 sagte: rund zehn, danach bringt jede weitere wenig. 1987 kam eine andere auf 30 bis 40. Einig sind sich alle: Eine einzelne Aktie ist zu wenig, und zehn Aktien aus derselben Branche sind auch kaum Streuung, weil sie zusammen fallen. Genau darauf schaut der Balken Streuung in deiner Watchlist, mit einer Zahl von 0 bis 100. Mit Pro: Streuung nach Sektoren, Regionen, Größe und Korrelation, mit Tauschvorschlag. Den Tauschvorschlag wählt der Rechner danach, wie stark eine Aktie mit deinen anderen zusammen läuft.
Kurz gesagt: viele Modelle statt einer Meinung, drei Fälle statt einer Zahl, Qualität neben dem Preis und Streuung statt Glück. In der nächsten Lektion schauen wir, wie stark Aktien vom Gesamtmarkt abhängen und wo Klumpenrisiken lauern. Wichtig: Das ist keine Anlageberatung.