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FVC Akademie · Rechenbeispiele mit Charts · Lektion 16 von 22

Zinseszins in Zahlen: was 1 Prozent wirklich kostet

Zinseszins arbeitet für dich, Kosten und große Verluste arbeiten genauso stark gegen dich: vier Rechenbeispiele mit Charts.

Das Video zu dieser Lektion wird gerade erstellt. Der Text darunter ist das vollständige Skript.

Das lernst du

  • Warum die letzten Jahre beim Zinseszins am meisten bringen
  • Was 1 Prozent Kosten über 40 Jahre wirklich kostet
  • Warum ein paar Prozent Mehrrendite so viel ausmachen und so selten sind
  • Warum ein Verlust von 50 Prozent ein Plus von 100 Prozent braucht
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Transkript

10.000 Euro, sieben Prozent im Jahr, nichts dazu, nichts raus. Nach 30 Jahren hast du rund 76.000 Euro. Und jetzt kommt der Teil, den fast niemand erwartet: In den zehn Jahren danach kommen noch einmal über 73.000 dazu. Die letzten zehn Jahre bringen mehr als die ersten dreißig zusammen. Ich bin Peter, und heute rechnen wir. Vier Beispiele mit Charts: Zinseszins, Kosten, Mehrrendite und Verluste.

Warum ist das so? Weil dein Geld nicht nur auf den Startbetrag Zinsen bringt, sondern auch auf alle Gewinne davor. Eine einfache Faustregel dazu: Teile 72 durch die Rendite im Jahr, dann weißt du ungefähr, wie lange es dauert, bis sich dein Geld verdoppelt. Bei sieben Prozent sind das gut zehn Jahre. Aus 10.000 werden 20.000, dann 40.000, dann 80.000. Jede Verdopplung ist größer als alle davor zusammen. Deshalb ist die wichtigste Zutat beim Zinseszins nicht der Betrag, sondern die Zeit.

Jetzt die Kehrseite. Der Zinseszins wirkt auch auf Kosten. Ein Prozent im Jahr klingt nach wenig. Rechne mit: dieselben 10.000 Euro, 40 Jahre, sieben Prozent. Ohne Kosten werden daraus knapp 150.000 Euro. Mit einem Prozent Kosten im Jahr bleiben rund 103.000. Fast 47.000 Euro weniger, fast ein Drittel deines Ergebnisses. Nicht, weil der Markt schlechter war, sondern weil jedes Jahr ein kleiner Teil fehlt, der dann auch keine Zinsen mehr bringt.

Wie teuer ist ein Fonds heute? Wir haben in unserem ETF-Verzeichnis nachgezählt. Von 556 ETFs mit Kostenangabe kostet der günstigste 0,02 Prozent im Jahr, der Mittelwert liegt bei 0,30 Prozent, und mehr als jeder dritte kostet höchstens 0,20 Prozent. Ein aktiver Fonds über die Bank liegt dagegen oft bei rund 1,5 Prozent. Der Unterschied klingt klein. Schauen wir, was er mit einem Sparplan macht.

200 Euro im Monat, 30 Jahre lang. Eingezahlt hast du am Ende 72.000 Euro. Bei sieben Prozent im Jahr und 0,30 Prozent Kosten werden daraus gut 221.000 Euro. Bei 1,5 Prozent Kosten sind es rund 178.000. Das sind über 43.000 Euro Unterschied, mehr als die Hälfte von allem, was du überhaupt eingezahlt hast. Und das bei genau demselben Markt.

Dasselbe gilt in die andere Richtung. Zwei Prozent mehr Rendite im Jahr, also neun statt sieben, machen aus 10.000 Euro in 30 Jahren nicht 76.000, sondern fast 133.000. Fünf Prozent mehr, also zwölf, wären fast 300.000, das Vierfache. Klingt verlockend. Aber ehrlich: Über Jahrzehnte jedes Jahr fünf Prozent mehr als der Markt schafft fast niemand. Die meisten aktiven Fonds liegen nach Kosten sogar hinter dem Markt, das hast du in der Lektion zur Forschung gesehen. Wer verspricht, dass er das sicher schafft, dem solltest du nicht trauen.

Und das letzte Rechenbeispiel, vielleicht das wichtigste. Verliert eine Aktie 50 Prozent und steigt danach um 50 Prozent, bist du nicht wieder bei null. Du hast immer noch ein Viertel verloren. Um einen Verlust von 50 Prozent aufzuholen, brauchst du ein Plus von 100 Prozent. Bei minus 20 reichen plus 25, bei minus einem Drittel brauchst du plus 50. Große Verluste kosten also viel mehr Zeit, als sie auf den ersten Blick aussehen. Darum lohnt es sich, vor dem Kauf zu prüfen, ob der Preis zu dem passt, was die Firma wirklich hergibt.

Kurz zusammengefasst. Erstens: Zeit ist beim Zinseszins wichtiger als der Betrag. Zweitens: Kosten wachsen genauso mit, ein Prozent kann ein Drittel kosten. Drittens: Mehrrendite wirkt gewaltig, ist aber selten, misstraue Versprechen. Viertens: Große Verluste brauchen noch größere Gewinne.

Im Fair Value Calculator siehst du im ETF-Verzeichnis die laufenden Kosten jedes Fonds, und für über 35.000 Aktien, ob der Kurs über oder unter dem Wert liegt, den die Zahlen hergeben. Wichtig: Das ist keine Anlageberatung.