Finanzdaten und Kennzahlen für die Aktienanalyse finden
Für eine fundierte Aktienbewertung brauchen Sie zwei Dinge: verlässliche Finanzdaten und ein Gespür dafür, welche Kennzahlen wirklich etwas aussagen. Dieser Leitfaden zeigt Ihnen, wo Sie die Zahlen finden, wie Sie die wichtigsten Kennzahlen lesen und wie Sie daraus den fairen Wert eines Unternehmens ableiten.
Wo Sie verlässliche Finanzdaten finden
Grundsätzlich führen drei Wege zu den Zahlen, die Sie für die fundamentale Analyse benötigen, von der Originalquelle bis zur vollautomatischen Auswertung.
1. Investor Relations: direkt vom Unternehmen
Suchen Sie bei einer Suchmaschine nach dem Firmennamen und dem Zusatz „Investor Relations". Dort veröffentlichen Unternehmen ihre Quartals- und Jahresberichte, meist als PDF, das Sie mit Strg+F (bzw. Cmd+F am Mac) gezielt nach einer Kennzahl durchsuchen können. Diese Originalberichte sind die genaueste Quelle, weil die Daten unmittelbar vom Unternehmen stammen. Beachten Sie: Wenn Sie einen Quartalsbericht verwenden, müssen Sie viele Kennzahlen erst auf das Gesamtjahr hochrechnen (grob mal vier), und daran denken, dass einzelne Quartale saisonal stärker oder schwächer ausfallen können.
2. Finanzportale: schnell und übersichtlich
Portale wie Google Finance, Yahoo Finance, onvista.de oder boerse.de bündeln viele Kennzahlen an einer Stelle. Die relevanten Daten finden Sie dort meist unter Rubriken wie Fundamentale Kennzahlen, Finanzen, GuV, Bilanz oder Statistiken. Das ist praktisch, doch achten Sie darauf, dass sich einzelne Werte von Jahr zu Jahr stark verändern können, dazu gleich mehr.
3. Fair Value Calculator: alles automatisch
Der schnellste Weg ist unser Fair Value Calculator: In den Premium Tools werden die notwendigen Kennzahlen für über 35.000+ Aktien weltweit automatisch geladen, geglättet und ausgewertet. So sparen Sie sich die manuelle Recherche und erhalten Bewertungen binnen Sekunden.
Die wichtigsten Kennzahlen, und wie Sie sie lesen
Kennzahlen setzen den Aktienkurs ins Verhältnis zu Gewinn, Umsatz, Substanz oder Cashflow. Entscheidend ist dabei nicht der absolute Wert, sondern der Vergleich, innerhalb derselben Branche und über mehrere Jahre hinweg.
- KGV (Kurs-Gewinn-Verhältnis): Kurs geteilt durch den Gewinn je Aktie. Ein niedriges KGV wirkt günstig, ist aber nur im Branchenvergleich aussagekräftig. Bei negativem Gewinn ist es nicht sinnvoll.
- KUV (Kurs-Umsatz-Verhältnis): Kurs je Aktie im Verhältnis zum Umsatz je Aktie. Hilfreich bei jungen oder noch unprofitablen Unternehmen, bei denen das KGV versagt.
- KBV (Kurs-Buchwert-Verhältnis): Kurs je Aktie geteilt durch den Buchwert je Aktie. Zeigt, wie viel Sie für die bilanzielle Substanz zahlen, vor allem bei kapitalintensiven Geschäftsmodellen relevant.
- KCV (Kurs-Cashflow-Verhältnis): Kurs je Aktie zum Cashflow je Aktie. Der Cashflow lässt sich schwerer schönrechnen als der ausgewiesene Gewinn und ist deshalb ein robustes Maß.
- EV/EBIT bzw. EV/EBITDA: Der Enterprise Value (Börsenwert plus Nettoschulden) im Verhältnis zum operativen Ergebnis. Kapitalstruktur-neutral und damit ideal, um unterschiedlich stark verschuldete Firmen zu vergleichen.
- PEG (KGV im Verhältnis zum Wachstum): Setzt das KGV ins Verhältnis zum Gewinnwachstum. Ein wachstumsstarkes Unternehmen darf ein höheres KGV tragen.
- Eigenkapitalrendite / ROE (EKR): Gewinn im Verhältnis zum Eigenkapital, ein Maß für Profitabilität und Kapitaleffizienz.
- EBIT-Marge (Ertragskraft): Operatives Ergebnis geteilt durch den Umsatz. Zeigt, wie viel von jedem Euro Umsatz als operativer Gewinn hängen bleibt.
- Dividendenrendite: Dividende je Aktie im Verhältnis zum Kurs, interessant für ausschüttungsorientierte Anleger, aber nie isoliert zu betrachten.
- Verschuldung (Verschuldungsgrad und Schuldentilgungsdauer): Zeigen, wie stark ein Unternehmen fremdfinanziert ist und wie lange es bräuchte, um seine Schulden aus dem Cashflow zu tilgen.
Kennzahlen glätten: Durchschnitte richtig bilden
Viele Kennzahlen schwanken von Jahr zu Jahr erheblich. Wer den fairen Wert konservativ schätzen möchte, arbeitet deshalb nicht mit einem einzelnen Jahr, sondern mit einem geglätteten Mittelwert über mehrere Jahre.
Mit einem Durchschnittsrechner lässt sich jede Zahlenreihe, etwa Gewinn oder Cashflow je Aktie, über arithmetisches Mittel, geometrisches Mittel und Median glätten. So fallen Ausreißer weniger ins Gewicht und die Bewertung wird stabiler. Voraussetzung ist, dass alle eingegebenen Werte positiv sind.
Dasselbe gilt für Wachstumsraten von Umsatz oder Gewinn, die viele Bewertungsmodelle benötigen und in den Portalen oft nur lückenhaft ausgewiesen werden. Ein Wachstumsrechner ermittelt die Veränderung von Jahr zu Jahr und daraus einen belastbaren Mittelwert.
Vom Rohmaterial zum fairen Wert
Haben Sie die Kennzahlen zusammengetragen, geht es an die Bewertung. Am Beispiel einer bekannten Aktie wie Apple läuft das in vier Schritten ab:
- Kennzahlen aus einem Portal auslesen. Jahreswerte mit dem Zusatz „e" sind dabei Analystenschätzungen (estimates), keine offiziellen Unternehmensdaten, als Blick nach vorn aber durchaus brauchbar.
- Werte je Aktie (Gewinn, Cashflow) und die Wachstumsraten mit den Hilfsrechnern glätten.
- Die geglätteten Kennzahlen in die Fair-Value-Rechner eintragen. Sinnvoll sind mehrere Durchläufe: einmal mit dem konservativen Mehrjahresmittel, einmal mit den aktuellsten Werten, optional mit geschätzten Zukunftszahlen.
- Aus den einzelnen Fair Values den Durchschnitt bilden und ihn mit dem aktuellen Kurs vergleichen. Liegt der Kurs deutlich darunter, ist die Aktie tendenziell unterbewertet; liegt er darüber, eher überbewertet.
Weil die Formeln bewusst konservativ rechnen, erhalten Sie eher eine vorsichtige Untergrenze als einen optimistischen Zielkurs. Kennzahlen wie Eigenkapitalrendite, EBIT-Marge und Buchwert je Aktie müssen Sie übrigens nicht mitteln, hier genügt der aktuelle Wert des laufenden Jahres.
Im Premium-Bereich übernimmt der Fair Value Calculator diese Schritte automatisch: Sie durchsuchen unterbewertete Aktien per Screener, legen eine eigene Watchlist an und prüfen mit dem Portfolio Manager, wie gut Ihr Depot über Branchen, Länder und Größen diversifiziert ist.
Sauber vergleichen: Datenbasis und Bereinigung
Damit Kennzahlen wirklich vergleichbar sind, sollten Sie auf eine konsistente Basis achten:
- Zeitbezug: Die letzten zwölf Monate (TTM) eignen sich für den historischen Vergleich, das kommende Jahr (NTM) für vorausschauende Bewertungs-Multiples. Innerhalb einer Analyse sollten Sie konsequent bei einer Basis bleiben.
- Aktienzahl: Für Werte je Aktie ist die verwässerte durchschnittliche Aktienzahl (diluted) sauberer, weil sie Optionen und Wandelrechte berücksichtigt.
- Bereinigungen: Sondereffekte wie Wertberichtigungen, Restrukturierungen oder Rechtsfälle, dazu Leasingeffekte und die Trennung von Erhaltungs- und Wachstumsinvestitionen können das Bild verzerren, und sollten herausgerechnet werden.
- Rechnungslegung und Währung: IFRS und US-GAAP sind mit Sorgfalt vergleichbar; für internationale Vergleiche helfen kapitalstruktur-neutrale EV-Multiples. Rechnen Sie zudem in eine einheitliche Währung und nutzen Sie um Aktiensplits bereinigte Kurse.
- Negative Werte und Ausreißer: Bei negativem Gewinn oder Cashflow sagen KGV oder PEG wenig aus, arbeiten Sie dann mit KUV bzw. EV/Umsatz und prüfen Sie die Qualität über EBIT-Marge und Eigenkapitalrendite.
Eine Kennzahl ist nur so gut wie ihre Datenbasis, und nur so aussagekräftig wie der Vergleich innerhalb der richtigen Branche.
Vergleichen Sie Kennzahlen daher stets im Sektor und über die Zeit. Orientierung geben die Sektoren-Bewertung und die Markt-Bewertung. Und ein wichtiger Hinweis zum Schluss: All das ist keine Anlageberatung, sondern liefert Analysebausteine für Ihre eigene Entscheidung.
Das Wichtigste
- Die zuverlässigsten Finanzdaten stammen aus den Original-Berichten der Investor-Relations-Seiten; Finanzportale sind eine schnelle Alternative.
- Kennzahlen wie KGV, KUV, KBV, KCV, EV/EBIT, ROE oder die Verschuldung sagen erst im Branchen- und Zeitvergleich etwas aus.
- Schwankende Werte und Wachstumsraten sollten Sie über mehrere Jahre glätten, bevor Sie sie in einen Fair-Value-Rechner eintragen.
- Achten Sie auf eine konsistente Basis (TTM/NTM, verwässerte Aktien, bereinigte Sondereffekte), damit Vergleiche belastbar bleiben.
- Wer sich die manuelle Arbeit sparen will, lässt Daten, Glättung und Bewertung im Fair Value Calculator automatisch erledigen.
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